Dieses Datum bekommt nun in diesem Jahr für die ehemaligen Bürger der DDR ganz besondere Bedeutung.
Zur Erinnerung:
Über 40 Jahre mußte jeder zur Wahl gehen. Wer dieser Pflicht nicht rechtzeitig nachkam, wurde abgeholt (manchmal auch im doppelten Sinne der Bedeutung dieses Wortes). Eine Wahl hatte man nicht bei der Wahl. Man bekam einen Wahlschein, warf vielleicht einen Blick darauf, faltete ihn und steckte ihn anschließend in die Wahlurne. Deshalb sagte man auch nicht, daß man “gewählt” hatte, man sprach unter sich davon, daß man “gefaltet” hatte. Es gab zwar Wahlkabinen, die meisten Bürger benutzten diese aber nicht, um nicht aufzufallen. Ob es Überwachungskameras gab, ist mir nicht bekannt, statistisch erfaßt wurde aber jeder, der seine “Stimme geheim” abgab.
Dieser Spuk war nun am 18. März 1990 endlich vorbei. An diesem Tag durften die meisten der DDR-Bürger zum ersten Male in ihrem Leben zu einer freien und geheimen Wahl gehen.
Einer der in die Volkskammer gewählten Abgeordneten war auch der Rostocker Pfarrer Joachim Gauck, der durch seine Ansprachen und Gebete im Herbst und Winter 1989/90 in der Marienkirche unser Vertrauen gewann und uns Zuversicht gab. Gestärkt marschierten wir damals anschließend durch die Straßen Rostocks und hatten den Mut zu singen “Nieder mit der SED”, die gerade dabei war, sich auf Empfehlung von einem Herrn Gysi in SED/PDS um zu benennen. In Vergessenheit geraten ist Gysis damalige Begründung, warum man nicht ganz auf die drei ersten Buchstaben verzichten wollte: Man würde sonst auch auf die Gelder der SED verzichten müssen. Hört, hört!!
Gegen diese SED und auch ihre spätere Nachfolgerinnen hat Herr Gauck offen Position bezogen. Mit seinen Mitstreitern wurde am 4. Dezember 1989 (also sechs Wochen vor der “Normannenstraße”) die Stasi-Zentrale in Rostock gestürmt.
Am 18. März 2012 ist wieder Wahltag. Die Mitglieder der Bundesversammlung haben die Möglichkeit, Herrn Joachim Gauck zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland zu wählen.
Pingback: Der 18. März | SPD-Ortsverein Warnow-Südwest